29. Oktober 2026
T1-Versandverfahren: Mit dem T1-Dokument unverzollt vom Seehafen zum Bestimmungsort
DDP-Lieferung aus China: Was Delivered Duty Paid für Ihr Unternehmen bedeutet
DDP-Lieferung aus China: Pflichten von Verkäufer und Käufer, Unterschied zu DAP, wer anmelden darf und warum der Vorsteuerabzug verloren geht.
Inhalt
- Was bedeutet DDP (Delivered Duty Paid)?
- Wer trägt was: Pflichten von Verkäufer und Käufer
- DDP oder DAP? Der Unterschied, auf den es ankommt
- Kann ein chinesischer Lieferant überhaupt DDP nach Deutschland liefern?
- Der teuerste Punkt: die Einfuhrumsatzsteuer bei DDP
- Zollwert und Zolltarifnummer: was Sie bei DDP aus der Hand geben
- Wann DDP trotzdem sinnvoll ist
- Checkliste: Diese Fragen klären Sie vor der Zusage
- So formulieren Sie die Lieferbedingung im Vertrag
- Häufige Fragen zur DDP-Lieferung aus China
- Was bei einem DDP-Angebot aus China den Ausschlag gibt
Ein Angebot aus China mit dem Zusatz „DDP frei Haus“ liest sich angenehm: ein Preis, eine Rechnung, keine Zollanmeldung, keine Abgaben, die Ware steht irgendwann an Ihrer Rampe. Für Einkäufer, die den Aufwand einer eigenen Einfuhrabwicklung scheuen, klingt das nach der einfachsten Variante im Vergleich.
Der Incoterm DDP macht genau das, was er verspricht — er verlagert alles auf den Verkäufer. Das Problem liegt woanders: Wer die Einfuhr anmeldet, entscheidet zugleich darüber, wer die Einfuhrumsatzsteuer zurückholen darf, wessen Zolltarifnummer verwendet wird und wer bei einer Nacherhebung zahlt. Bei einer DDP-Lieferung aus China sind das in aller Regel nicht Sie.
Dieser Artikel zeigt, wie die Pflichten unter DDP tatsächlich verteilt sind, worin der Unterschied zu DAP und DPU besteht, ob ein chinesischer Lieferant überhaupt in der EU anmelden darf — und mit welchen Fragen Sie ein DDP-Angebot prüfen, bevor Sie zusagen.
- DDP (Delivered Duty Paid, „geliefert verzollt“) ist der Incoterm mit der größten Belastung des Verkäufers: Transport, Ausfuhr, Einfuhr, Zoll und Steuern.
- Der Verkäufer stellt die Ware entladebereit zur Verfügung — entladen muss der Käufer.
- Unterschied zu DAP: Dort übernimmt der Käufer die Einfuhrabwicklung und die Abgaben.
- Anmelder im Zollverfahren muss grundsätzlich eine in der EU ansässige Person sein — ein chinesischer Lieferant ohne EU-Niederlassung kann das im Regelfall nicht selbst sein.
- Wer nicht selbst Anmelder ist, verliert den Vorsteuerabzug für die Einfuhrumsatzsteuer. Bei einer FCL-Sendung im fünfstelligen Warenwert sind das mehrere Tausend Euro je Lieferung — die Beispielrechnung weiter unten zeigt es an konkreten Zahlen.
- Der benannte Bestimmungsort gehört zwingend in die Klausel: „DDP“ allein ist keine vollständige Lieferbedingung.
Was bedeutet DDP (Delivered Duty Paid)?
DDP steht für Delivered Duty Paid, auf Deutsch „geliefert verzollt“. Die Klausel stammt aus den Incoterms der Internationalen Handelskammer (ICC), aktuell in der Fassung Incoterms 2020. Sie regelt, wer Transportkosten und Zollformalitäten trägt und an welchem Punkt Kosten und Gefahr auf den Käufer übergehen. Was sie nicht regelt: Eigentumsübergang, Zahlungsbedingungen und Gerichtsstand — dafür brauchen Sie den Kaufvertrag.
Unter den elf Klauseln der Incoterms 2020 markiert DDP das eine Ende der Skala. Der Verkäufer trägt alles: Verpackung, Vorlauf, Ausfuhrabfertigung in China, Hauptlauf, Einfuhrabfertigung in der EU, Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und den Nachlauf bis zum vereinbarten Ort. Am anderen Ende steht EXW (Ex Works), wo der Käufer die Ware ab Werk übernimmt und ab dort alles selbst organisiert. DDP lässt sich für jede Transportart vereinbaren — Seefracht, Luftfracht, Bahnfracht, LKW-Transport oder Express.
„DDP frei Haus“ in einem chinesischen Angebot ist nicht automatisch der Incoterm DDP. Viele Lieferanten verwenden die drei Buchstaben als Verkaufsargument für „Sie bekommen die Ware ohne weitere Zahlungen geliefert“ — ohne dass geklärt wäre, wer anmeldet, welcher Wert deklariert wird und wer die Steuer schuldet. Verweisen Sie im Vertrag deshalb ausdrücklich auf die Incoterms 2020, sonst streiten Sie im Ernstfall über Auslegung.
Wer trägt was: Pflichten von Verkäufer und Käufer
Die Verteilung ist bei DDP so eindeutig wie bei keiner anderen Klausel — deshalb lohnt sich der Blick vor allem auf die schmale Spalte des Käufers.
| Aufgabe | Verkäufer | Käufer |
|---|---|---|
| Verpackung, Kennzeichnung, Vorlauf ab Fabrik | ja | — |
| Ausfuhrabfertigung in China, Exportlizenz | ja | — |
| Hauptlauf und Transportkosten | ja | — |
| Transportversicherung | keine Pflicht | keine Pflicht |
| Einfuhrabfertigung in der EU | ja | — |
| Zoll, Einfuhrumsatzsteuer, Gebühren | ja | — |
| Nachlauf bis zum benannten Bestimmungsort | ja | — |
| Entladen am Bestimmungsort | — | ja |
| Gefahr ab Bereitstellung am Bestimmungsort | — | ja |
Eine Versicherungspflicht kennt DDP nicht. Da der Verkäufer die Gefahr bis zum Bestimmungsort trägt, liegt sein eigenes Interesse an einer Deckung nahe — verlassen Sie sich aber nicht darauf, sondern klären Sie es im Vertrag.
Wo genau endet die Lieferung?
DDP funktioniert nur mit einem benannten Bestimmungsort. „DDP Deutschland“ ist keine brauchbare Lieferbedingung: Der Ort bestimmt, bis wohin der Verkäufer zahlt und ab wann Sie die Gefahr tragen. Zwischen Hamburger Hafen und Ihrem Lager in Bayern liegen mehrere Hundert Euro Nachlauf und ein erheblicher Unterschied im Risiko.
Gebräuchlich und sauber ist die Form „DDP [vollständige Lieferadresse], Incoterms 2020“. Handelt es sich um ein Fulfillment-Center oder ein Lager mit festen Anlieferfenstern, gehört auch das in die Vereinbarung — der Verkäufer schuldet die Zustellung an diesen Ort, nicht die Einhaltung Ihres Wareneingangsprozesses.
Entladen: warum das Sache des Käufers bleibt
Unter DDP stellt der Verkäufer die Ware auf dem ankommenden Beförderungsmittel entladebereit zur Verfügung. Das Entladen selbst schuldet er nicht. Wer einen Container erwartet und weder Rampe noch Stapler hat, organisiert das entweder selbst oder vereinbart es zusätzlich.
Genau an dieser Stelle verläuft die Grenze zu DPU (Delivered at Place Unloaded): DPU ist die einzige Incoterms-Klausel, bei der der Verkäufer entladen muss. Wollen Sie die Entladung beim Verkäufer lassen, ist DPU die passende Klausel — nicht ein selbst formulierter Zusatz zu DDP.
DDP oder DAP? Der Unterschied, auf den es ankommt
DAP und DDP unterscheiden sich in genau einem Punkt — und dieser eine Punkt entscheidet über Steuer, Haftung und Kontrolle.
| Kriterium | DAP | DDP | DPU |
|---|---|---|---|
| Transport bis Bestimmungsort | Verkäufer | Verkäufer | Verkäufer |
| Einfuhrabfertigung | Käufer | Verkäufer | Käufer |
| Zoll und Einfuhrumsatzsteuer | Käufer | Verkäufer | Käufer |
| Entladen | Käufer | Käufer | Verkäufer |
| Anmelder gegenüber dem Zoll | Käufer | Verkäufer | Käufer |
| Vorsteuerabzug beim Käufer | möglich | regelmäßig nicht | möglich |
Für den gewerblichen Import aus China ist DAP in den meisten Fällen die bessere Klausel. Der Lieferant bringt die Ware bis zu Ihnen, trägt Kosten und Gefahr des Transports — aber die Einfuhr läuft über Ihre EORI-Nummer. Sie bleiben Anmelder, bekommen den Abgabenbescheid und behalten den Vorsteuerabzug. Den Aufwand der Anmeldung übernimmt ein Zollagent für Sie, ohne dass Sie die Rolle des Einführers abgeben.
In älteren Verträgen und Angebotsvorlagen findet sich gelegentlich noch DDU (Delivered Duty Unpaid). Diese Klausel wurde mit den Incoterms 2010 gestrichen; ihre Funktion erfüllt seither DAP. Wer DDU heute vereinbart, vereinbart einen Begriff, der in keinem gültigen Regelwerk mehr definiert ist.
Eva Solutions LTD organisiert den Transport ab Fabrik bis zu Ihrem Lager — zu FOB- oder DAP-Bedingungen, sodass die Bequemlichkeit einer Haustürlieferung erhalten bleibt, die Einfuhr aber auf Ihren Namen läuft.
Kann ein chinesischer Lieferant überhaupt DDP nach Deutschland liefern?
Diese Frage stellt kaum jemand, und sie ist die wichtigste des ganzen Themas. Das Zollrecht der Union verlangt, dass der Anmelder grundsätzlich im Zollgebiet der Union ansässig ist. Dasselbe gilt für Zollvertreter: Auch sie müssen in der EU ansässig sein — dürfen aber, wie der übernächste Absatz zeigt, in indirekter Vertretung für einen nicht ansässigen Auftraggeber handeln. Ein Hersteller in Shenzhen ohne Niederlassung in der EU erfüllt diese Voraussetzung nicht — er kann die Einfuhr nicht in eigener Person anmelden. Ausnahmen sieht das Zollrecht nur für Sonderfälle vor, etwa für gelegentliche Anmeldungen, die die Zollbehörde für gerechtfertigt hält; für laufende Handelslieferungen greifen sie nicht.
In der Praxis führt das zu drei Konstellationen, und Sie sollten wissen, in welcher Sie sich befinden:
- Der Lieferant hat ein europäisches Unternehmen. Dann ist echtes DDP möglich: Die europäische Gesellschaft tritt als Anmelder auf und schuldet die Abgaben. Das ist der saubere Fall — er kommt vor, aber selten.
- Ein Dienstleister meldet in indirekter Vertretung an. Der Zollagent handelt im eigenen Namen für Rechnung des chinesischen Verkäufers. Bei dieser Vertretungsform wird auch der Vertretene zum Zollschuldner — die Haftung verteilt sich also, und in der Kette hängt am Ende jemand, der greifbar ist.
- Die Anmeldung läuft auf Ihre EORI-Nummer. Der häufigste und unangenehmste Fall. Der Spediteur trägt Sie als Einführer ein, weil das der einfachste Weg durch die Abfertigung ist. Formal sind Sie damit Anmelder und Zollschuldner — mit allen Pflichten, aber ohne den Vorgang je gesehen zu haben.
Die dritte Variante ist deshalb tückisch, weil sie sich wie DDP anfühlt: Sie zahlen nichts an den Zoll, die Ware kommt an, alles wirkt erledigt. Haften Sie aber für eine falsche Einreihung oder einen zu niedrig angesetzten Zollwert, wird das erst Jahre später sichtbar — bei einer Prüfung.
Fragen Sie deshalb bei jedem DDP-Angebot nach, unter welcher EORI-Nummer angemeldet wird. Wenn die Antwort ausweichend ausfällt, ist das die Antwort.
Eva Solutions meldet Ihre Einfuhren in Ihrem Namen und auf Ihre Rechnung an. Sie bleiben Anmelder, der Abgabenbescheid läuft auf Ihre EORI-Nummer, und die Einreihung geben wir Ihnen begründet zur Freigabe — statt sie in China entscheiden zu lassen.
Der teuerste Punkt: die Einfuhrumsatzsteuer bei DDP
Abziehbar ist nach dem Umsatzsteuergesetz die entstandene Einfuhrumsatzsteuer für Gegenstände, die für Ihr Unternehmen eingeführt worden sind. Vorausgesetzt wird, dass Sie im Zeitpunkt der Einfuhr die Verfügungsmacht über die Ware haben. Nachweis ist der zollamtliche Beleg — der Einfuhrabgabenbescheid oder der ATLAS-Ersatzbeleg.
Bei echtem DDP fehlt beides. Die Ware wird für den Verkäufer eingeführt, der Bescheid lautet auf ihn, und die Verfügungsmacht erhalten Sie erst danach. Die Einfuhrumsatzsteuer bleibt in seinem Preis stecken und wird für Sie zu einem Kostenbestandteil wie Fracht oder Verpackung. Zurückholen kann sie im Übrigen auch der chinesische Verkäufer nicht — dafür bräuchte er eine umsatzsteuerliche Registrierung in der EU.
Was das ausmacht, zeigt eine Beispielrechnung. Angenommen, Sie kaufen Baumwoll-T-Shirts der Position 6109 10 mit einem Zollsatz von 12 Prozent, FOB Shanghai 24.000 Euro, Seefracht bis Hamburg 2.400 Euro, Versicherung 160 Euro, Nachlauf bis Ihr Lager 640 Euro.
| Position | DAP — Sie melden an | DDP — der Lieferant meldet an |
|---|---|---|
| Ware, Fracht, Versicherung, Nachlauf | 27.200,00 € | 27.200,00 € |
| Zoll 12 % auf den Zollwert (26.560 €) | 3.187,20 € | 3.187,20 € |
| Einfuhrumsatzsteuer 19 % | 5.773,57 € | 5.773,57 € |
| davon erstattungsfähig | 5.773,57 € | 0,00 € |
| Effektive Kosten | 30.387,20 € | 36.160,77 € |
Die Differenz von 5.773,57 Euro je Container ist kein Aufschlag des Lieferanten, sondern schlicht die Steuer, die Sie unter DAP zurückbekommen und unter DDP nicht. Ein DDP-Angebot muss also spürbar günstiger sein als die Summe aus DAP-Preis und eigener Abwicklung, damit es sich überhaupt rechnet — und in der Praxis ist es das fast nie, weil der Lieferant seinerseits Marge auf die Abwicklung legt.
Wollen Sie an DDP festhalten, wird in der Praxis mit dem Zusatz „DDP, Einfuhrumsatzsteuer nicht bezahlt“ gearbeitet. Der Verkäufer übernimmt dann Transport und Zoll, die Einfuhrumsatzsteuer bleibt bei Ihnen — und mit ihr der Vorsteuerabzug. Die Incoterms kennen diesen Zusatz allerdings nicht: Er ist eine freie Vertragsänderung ohne standardisierten Wortlaut. Wer ihn verwendet, sollte im selben Zug festhalten, wer die Anmeldung abgibt, und die Formulierung mit dem Steuerberater abstimmen — sonst entsteht eine Klausel, die zwei Seiten unterschiedlich lesen.
Die Angaben geben den Stand August 2026 wieder und dienen der Orientierung. Ob der Vorsteuerabzug in Ihrer konkreten Lieferkette greift, hängt vom Einzelfall ab — dieser Artikel ersetzt keine Steuer-, Zoll- oder Rechtsberatung. Lassen Sie die Konstellation vor der ersten Einfuhr von Ihrem Steuerberater prüfen.
Zollwert und Zolltarifnummer: was Sie bei DDP aus der Hand geben
Wer anmeldet, entscheidet über zwei Angaben, die den gesamten Abgabenbetrag bestimmen: die Zolltarifnummer und den Zollwert. Bei DDP trifft diese Entscheidungen jemand, der ein wirtschaftliches Interesse daran hat, dass sie niedrig ausfallen — schließlich zahlt er die Abgaben aus dem vereinbarten Preis.
Daraus entstehen zwei konkrete Risiken. Erstens die Einreihung: Eine bequem gewählte Warennummer mit null Prozent Zollsatz senkt die Abgaben sofort, hält einer Prüfung aber womöglich nicht stand. Zweitens der Wert: Wird ein niedrigerer Rechnungsbetrag deklariert als tatsächlich gezahlt, ist der Zollwert falsch — unabhängig davon, ob Sie davon wussten.
Stellt die Zollverwaltung das später fest, wird nacherhoben — grundsätzlich bis zu drei Jahre nach Entstehen der Zollschuld, bei einer strafbaren Handlung deutlich länger. Und wenn die Anmeldung auf Ihrer EORI-Nummer lief, ist die Forderung an Sie gerichtet. Sie zahlen dann Beträge nach, die Sie nie kalkuliert haben, für eine Entscheidung, die Sie nie getroffen haben.
Besonders heikel wird das bei Waren, für die die EU Handelsschutzmaßnahmen erhoben hat — Stahl, Keramikfliesen und E-Bikes gehören dazu. Dort hängt an der Unterposition nicht ein Unterschied von wenigen Prozent, sondern ein Zusatzzoll in zweistelliger Höhe.
Wann DDP trotzdem sinnvoll ist
Der Incoterm ist nicht per se schlecht — er passt nur selten zum laufenden Handelsgeschäft. Sinnvoll ist DDP vor allem dort, wo der Aufwand einer eigenen Anmeldung in keinem Verhältnis zum Warenwert steht:
- Muster und Vorserien. Ein Karton Muster per Express — hier zählt Geschwindigkeit, und der entgangene Vorsteuerabzug bewegt sich im zweistelligen Bereich.
- Ersatzteile und Nachlieferungen, die kurzfristig gebraucht werden und deren Abwicklung sonst länger dauert als der Transport.
- Erste Testbestellung bei einem neuen Lieferanten, solange die Beziehung noch nicht steht und Sie keinen eigenen Prozess aufsetzen wollen.
- Lieferanten mit europäischer Gesellschaft. Verkauft ein chinesischer Hersteller über eine Tochter in den Niederlanden oder Deutschland, liegt eine innergemeinschaftliche Lieferung oder ein Inlandsgeschäft vor — und die Steuerfrage stellt sich völlig anders.
Sobald Sie regelmäßig Paletten oder Container beziehen, kippt die Rechnung. Ab dieser Größe lohnt der eigene Prozess, und der Unterschied summiert sich über das Jahr auf einen Betrag, der die Kosten eines Zollagenten mehrfach übersteigt.
Checkliste: Diese Fragen klären Sie vor der Zusage
Ein DDP-Angebot lässt sich in wenigen Minuten prüfen. Stellen Sie dem Lieferanten diese Fragen schriftlich — die Antworten sagen mehr über ihn aus als jedes Zertifikat:
- Unter welcher EORI-Nummer wird die Einfuhr angemeldet — unter Ihrer, unter meiner oder unter der eines Vertreters?
- Wer tritt als Anmelder auf, und in welcher Vertretungsform?
- Welche Zolltarifnummer wird verwendet, und worauf stützt sie sich?
- Welcher Zollwert wird deklariert, und deckt er sich mit dem, was ich tatsächlich zahle?
- Wer erhält den Einfuhrabgabenbescheid, und bekomme ich eine Kopie?
- Ist die Einfuhrumsatzsteuer im Preis enthalten oder ausgenommen?
- Was genau ist der benannte Bestimmungsort — Hafen, Terminal oder meine Lieferadresse?
- Wer entlädt, und wer zahlt Wartezeiten am Wareneingang?
Bleibt die Antwort auf die ersten beiden Fragen unklar, rechnen Sie das Angebot als DAP durch und vergleichen Sie erneut. In den meisten Fällen erledigt sich die Frage damit von selbst.
Wir rechnen ein DDP-Angebot auf einen vergleichbaren Landed Cost um — mit Zollsatz nach Einreihung, Einfuhrumsatzsteuer und Abwicklung. Sie sehen in einer Zahl, ob die bequeme Variante Sie Geld kostet.
So formulieren Sie die Lieferbedingung im Vertrag
Drei Buchstaben allein tragen keinen Vertrag. Eine belastbare Lieferbedingung besteht aus drei Bestandteilen: der Klausel, dem benannten Ort und der Angabe des Regelwerks.
Brauchbar ist zum Beispiel: „DDP, Musterstraße 1, 44803 Bochum, Deutschland, Incoterms 2020“. Ohne die Jahresangabe bleibt offen, welche Fassung gilt — und die Klauseln haben sich zwischen den Ausgaben verändert. Fehlt die Adresse, streiten Sie im Ernstfall darüber, wo die Gefahr überging.
Wollen Sie die Steuer bei sich behalten, ergänzen Sie die Klausel ausdrücklich, etwa: „DDP, [Adresse], Incoterms 2020, Einfuhrumsatzsteuer nicht bezahlt (Anmeldung durch den Käufer)“. Zusätzlich gehören in den Vertrag: wer entlädt, welche Dokumente wann übergeben werden — Handelsrechnung, Packliste, Frachtdokument, gegebenenfalls Präferenznachweis — und wer für eine spätere Nacherhebung einsteht.
Und ein praktischer Punkt: Eine Kopplung von DDP mit einem Akkreditiv ist heikel, weil die Lieferung erst mit der Bereitstellung beim Käufer vollzogen ist. Die Dokumente, die eine Bank sehen will, liegen zu diesem Zeitpunkt oft noch nicht in der benötigten Form vor.
Häufige Fragen zur DDP-Lieferung aus China
Was bedeutet DDP (Delivered Duty Paid)?
DDP heißt „geliefert verzollt“ und ist die Incoterms-Klausel mit der größten Belastung des Verkäufers. Er trägt Transport, Ausfuhr- und Einfuhrabfertigung, Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und alle Risiken bis zum benannten Bestimmungsort. Der Käufer nimmt die Ware entgegen und entlädt sie.
Was ist der Unterschied zwischen DDP und DAP?
Der Transport verläuft in beiden Fällen bis zum vereinbarten Ort auf Kosten des Verkäufers. Der Unterschied liegt in der Einfuhr: Bei DAP meldet der Käufer an und zahlt Zoll und Einfuhrumsatzsteuer, bei DDP übernimmt das der Verkäufer. Für gewerbliche Importe aus China ist DAP meist günstiger, weil der Käufer Anmelder bleibt und den Vorsteuerabzug behält.
Was ist der Unterschied zwischen DDP und DPU?
DPU (Delivered at Place Unloaded) ist die einzige Incoterms-Klausel, bei der der Verkäufer die Ware entlädt. Dafür trägt der Käufer bei DPU die Einfuhrabfertigung und die Abgaben — anders als bei DDP. Wer die Entladung beim Verkäufer lassen will, vereinbart also DPU statt eines eigenen Zusatzes zu DDP.
Wer zahlt bei DDP Zoll und Einfuhrumsatzsteuer?
Beides trägt der Verkäufer — die Beträge stecken im vereinbarten Preis, auf der Rechnung erscheinen sie meist nicht getrennt. Lassen Sie sich die Positionen deshalb aufschlüsseln: Ohne getrennten Ausweis lässt sich weder der Zollanteil kalkulieren noch beurteilen, ob das Angebot gegenüber DAP wirtschaftlich ist.
Kann ich als Käufer die Einfuhrumsatzsteuer bei DDP als Vorsteuer abziehen?
Bei echtem DDP regelmäßig nicht. Der Abzug setzt voraus, dass die Ware für Ihr Unternehmen eingeführt wurde und Sie im Zeitpunkt der Einfuhr die Verfügungsmacht hatten; außerdem brauchen Sie den zollamtlichen Beleg. Lautet der Einfuhrabgabenbescheid auf den Lieferanten, fehlt beides — die Steuer wird für Sie zum echten Kostenblock.
Wann geht bei DDP das Risiko vom Verkäufer auf den Käufer über?
In dem Moment, in dem der Verkäufer die verzollte Ware am benannten Bestimmungsort entladebereit zur Verfügung stellt. Alles davor — Seetransport, Hafenumschlag, Nachlauf — liegt bei ihm. Deshalb ist die genaue Bezeichnung des Bestimmungsorts nicht optional.
Wer entlädt die Ware bei DDP?
Der Käufer. Der Verkäufer schuldet die Bereitstellung auf dem ankommenden Beförderungsmittel, nicht das Abladen. Wer einen Container ohne Rampe oder Stapler erwartet, sollte die Entladung gesondert vereinbaren oder gleich DPU wählen.
Ist „DDP frei Haus“ dasselbe wie der Incoterm DDP?
Nicht zwangsläufig. Viele Lieferanten verwenden die Formulierung als Verkaufsargument, ohne sich auf das Regelwerk zu beziehen. Ob tatsächlich DDP nach Incoterms 2020 gemeint ist, erkennen Sie erst an der Antwort auf die Frage, wer als Anmelder auftritt. Nehmen Sie die Klausel samt Fassung und Bestimmungsort in den Vertrag auf.
Für welche Transportarten gilt DDP?
Für alle. DDP gehört zu den Klauseln, die unabhängig von der Transportart vereinbart werden können — Seefracht, Luftfracht, Bahnfracht, LKW-Transport, Express und kombinierte Transporte. Klauseln wie FOB oder CIF sind dagegen dem See- und Binnenschiffsverkehr vorbehalten.
Was bedeutet der Zusatz „DDP, Einfuhrumsatzsteuer nicht bezahlt“?
Eine vertragliche Änderung der Standardklausel: Der Verkäufer übernimmt Transport und Zoll, die Einfuhrumsatzsteuer bleibt beim Käufer. Damit bleibt der Vorsteuerabzug erhalten. Die Incoterms selbst kennen diesen Zusatz nicht — er muss ausdrücklich vereinbart werden, samt Klärung, wer die Anmeldung abgibt.
Gibt es DDU noch?
Nein. DDU (Delivered Duty Unpaid) wurde mit den Incoterms 2010 gestrichen; seine Funktion erfüllt seither DAP. Taucht DDU in einem Angebot auf, arbeitet Ihr Gegenüber mit einer veralteten Vorlage — klären Sie, ob DAP gemeint ist, und schreiben Sie es so in den Vertrag.
Wie formuliere ich die Lieferbedingung DDP korrekt im Vertrag?
Immer aus drei Teilen: Klausel, vollständiger Bestimmungsort und Fassung des Regelwerks — etwa „DDP, Musterstraße 1, 44803 Bochum, Deutschland, Incoterms 2020“. Ergänzen Sie, wer entlädt, welche Dokumente übergeben werden und ob die Einfuhrumsatzsteuer eingeschlossen ist.
Was bei einem DDP-Angebot aus China den Ausschlag gibt
DDP verkauft Bequemlichkeit, und die ist real: eine Rechnung, keine Anmeldung, keine Abgaben. Bezahlt wird sie mit Kontrolle — über die Einreihung, über den deklarierten Wert und über den Vorsteuerabzug. Bei einem Musterkarton ist dieser Preis vernachlässigbar, bei laufenden Containersendungen nicht.
Zwei Fragen entscheiden praktisch alles: Auf wessen EORI-Nummer wird angemeldet, und wer bekommt den Einfuhrabgabenbescheid? Klären Sie das vor der Bestellung: Die Einführereigenschaft lässt sich im Nachhinein nicht übertragen. Und rechnen Sie jedes DDP-Angebot einmal als DAP durch, bevor Sie es annehmen.
Eva Solutions übernimmt beide Seiten: den Transport ab Fabrik und die Zollanmeldung auf Ihren Namen. Wenn Sie ein konkretes Angebot aus China vorliegen haben, sehen wir es uns an und stellen die Alternative mit Zollsatz, Steuer und Abwicklungskosten daneben — dann entscheiden Sie an Zahlen statt am Bauchgefühl.
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