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Zollgebühren beim Import aus China berechnen: So viel zahlen Sie wirklich

Zollgebühren aus China berechnen: Formel, Zollsätze nach Warengruppe, Antidumpingzölle und zwei Rechenbeispiele für den gewerblichen Import.

Zollgebühren beim Import aus China berechnen: So viel zahlen Sie wirklich
Inhalt
  1. Welche Abgaben fallen beim Import aus China an?
  2. Wie wird der Zollwert ermittelt?
  3. Zollgebühren berechnen: die Formel Schritt für Schritt
  4. Zwei Rechenbeispiele aus der Praxis
  5. Zollsätze für typische Waren aus China
  6. Antidumpingzölle: wann die Kalkulation kippt
  7. Was sich 2026 geändert hat — und was nicht
  8. Einfuhrumsatzsteuer: welcher Teil zurückkommt
  9. Wer meldet an: EORI, ATLAS und die Rolle des Dienstleisters
  10. Häufige Fehler bei der Zollkalkulation
  11. Häufige Fragen zu Zollgebühren beim Import aus China
  12. Zollkosten vor der Bestellung kalkulieren, nicht nach der Ankunft

Eine Palette Ware für 25.000 Euro, kalkulierte Marge von 40 Prozent — und dann kommt der Einfuhrabgabenbescheid über 7.500 Euro. Wer die Zollgebühren erst nach der Ankunft der Ware rechnet, kalkuliert seinen Verkaufspreis auf einer falschen Grundlage.

Dabei lassen sich Zollgebühren beim Import aus China vor der ersten Bestellung berechnen. Sie brauchen dafür vier Angaben: den Warenwert, die Frachtkosten bis zur EU-Grenze, die richtige Zolltarifnummer und die Information, ob auf Ihre Ware ein Antidumpingzoll liegt. Dieser Beitrag zeigt die Formel, zwei durchgerechnete Beispiele und die Stellen, an denen Kalkulationen in der Praxis regelmäßig schiefgehen.

Ein Hinweis zur Abgrenzung: Es geht hier um gewerblichen Import — Paletten, Container, Teilladungen für Handel, E-Commerce und Amazon FBA. Für private Päckchen aus Fernost-Marktplätzen gelten seit dem 1. Juli 2026 eigene Regeln, die mit der Kalkulation einer Handelssendung wenig zu tun haben. Auf diesen Unterschied kommen wir weiter unten zurück, weil er derzeit für viel Verwirrung sorgt.

Auf einen Blick
  • Die Grundformel lautet: Zollwert × Zollsatz = Zoll. Die Einfuhrumsatzsteuer wird anschließend auf Zollwert plus Zoll berechnet.
  • Der Zollwert ist nicht der Rechnungsbetrag des Lieferanten, sondern schließt Fracht und Versicherung bis zur EU-Grenze ein.
  • Der Zollsatz richtet sich nach der Zolltarifnummer, nicht nach dem Ursprungsland: Er reicht bei typischen Konsumgütern von 0 bis rund 15 Prozent.
  • Antidumpingzölle können ein Vielfaches des regulären Satzes ausmachen und sind je Hersteller unterschiedlich.
  • Der Zoll ist echter Aufwand, die Einfuhrumsatzsteuer für vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen dagegen ein durchlaufender Posten.

Welche Abgaben fallen beim Import aus China an?

Bei der Einfuhr in den zollrechtlich freien Verkehr werden drei Abgabenarten erhoben. Sie werden nacheinander berechnet und wirken unterschiedlich auf Ihre Kalkulation.

Abgabe Bemessungsgrundlage Wirkung auf die Kalkulation
Einfuhrzoll Zollwert (Ware + Fracht + Versicherung bis EU-Grenze) Echter Kostenfaktor, nicht erstattungsfähig
Antidumpingzoll (nur bei betroffenen Waren) Zollwert, zusätzlich zum regulären Zoll Echter Kostenfaktor, oft der größte Posten
Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) Zollwert + Zoll + Beförderungskosten bis zum ersten Bestimmungsort in der EU Bei Vorsteuerabzug ein durchlaufender Posten, aber liquiditätswirksam
Verbrauchsteuer (nur bestimmte Waren) Menge oder Wert, je nach Warenart Betrifft etwa Alkohol, Tabak, Kaffee — bei Konsumgütern selten

Für die meisten Importeure spielt sich die Rechnung zwischen den ersten drei Zeilen ab. Entscheidend ist die Reihenfolge: Erst wird der Zoll ermittelt, dann fließt er in die Bemessungsgrundlage der Einfuhrumsatzsteuer ein. Wer diesen Schritt überspringt, kalkuliert systematisch zu niedrig.

Wie wird der Zollwert ermittelt?

Grundlage jeder Berechnung ist der Zollwert, in der Regel der Transaktionswert nach Artikel 70 des Unionszollkodex. Er besteht aus dem tatsächlich gezahlten Preis für die Ware zuzüglich aller Kosten, die bis zum Eintritt in das Zollgebiet der EU anfallen:

  • Rechnungsbetrag des Lieferanten laut Handelsrechnung
  • Transportkosten bis zur EU-Grenze, etwa Seefracht bis Hamburg oder Rotterdam
  • Transportversicherung für diese Strecke
  • Werkzeug- und Formkosten, Lizenzgebühren oder Materialbeistellungen, sofern sie dem Produkt zuzurechnen sind

Nicht in den Zollwert gehören Kosten, die nachweislich erst innerhalb der EU entstehen. Das setzt allerdings voraus, dass sie in den Unterlagen getrennt ausgewiesen sind. Steht in der Rechnung nur eine Summe, rechnet der Zoll im Zweifel alles ein.

Wie Incoterms den Zollwert verändern

Die Lieferbedingung entscheidet, wie viel Sie zum Rechnungsbetrag noch addieren müssen — und damit über die Höhe der Abgaben. Bei identischer Ware und identischer Route ergeben sich je nach Klausel unterschiedliche Zollwerte:

  • EXW: Der Rechnungsbetrag deckt nur die Ware ab Werk. Sie addieren Vorlauf in China, Exportabfertigung, Hauptlauf und Versicherung.
  • FOB: Ware und Kosten bis zum Verladehafen sind enthalten. Sie addieren Hauptlauf und Versicherung.
  • CIF: Fracht und Versicherung bis zum Bestimmungshafen stecken bereits im Preis. Der Rechnungsbetrag entspricht weitgehend dem Zollwert.

Ein häufiger Fehler bei EXW-Einkäufen: Der Importeur meldet den Rechnungsbetrag als Zollwert an und übersieht die Frachtanteile. Fällt das bei einer Prüfung auf, folgt eine Nacherhebung — und die Nachzahlung trifft dann eine Sendung, die längst verkauft ist.

Lösung

Eva Solutions bündelt Teillieferungen mehrerer Fabriken in einem eigenen Lager in China. Aus mehreren Sendungen wird eine Zollanmeldung mit einem sauber dokumentierten Zollwert.

Zollgebühren berechnen: die Formel Schritt für Schritt

Die eigentliche Berechnung besteht aus fünf Schritten. Sie brauchen dafür keine Software, sondern belastbare Zahlen.

  1. Zollwert ermitteln: Warenwert + Fracht bis EU-Grenze + Versicherung.
  2. Zolltarifnummer bestimmen: Die elfstellige Codenummer entscheidet über den Satz. Die ersten sechs Stellen sind international einheitlich, ab der siebten weichen chinesische und europäische Systematik voneinander ab — maßgeblich ist die EU-Nummer.
  3. Zollsatz nachschlagen: im Elektronischen Zolltarif (EZT-Online) oder in der TARIC-Datenbank der EU-Kommission, jeweils für den Ursprung China.
  4. Zoll berechnen: Zollwert × Zollsatz. Liegt zusätzlich ein Antidumpingzoll vor, kommt dieser als eigener Prozentsatz auf denselben Zollwert.
  5. Einfuhrumsatzsteuer berechnen: (Zollwert + Zoll + Beförderungskosten bis zum ersten Bestimmungsort in der EU) × 19 Prozent, bei ermäßigt besteuerten Waren 7 Prozent.

Der letzte Punkt wird häufig verkürzt dargestellt. Auch die Beförderung vom EU-Eingangsort bis zum vereinbarten Bestimmungsort — etwa vom Hamburger Terminal zu Ihrem Lager — gehört in die Bemessungsgrundlage der Einfuhrumsatzsteuer, wenn dieser Ort im Beförderungsvertrag steht.

Zwei Rechenbeispiele aus der Praxis

Die folgenden Beispiele sind vereinfacht und gerundet. Sie zeigen die Mechanik, ersetzen aber keine Kalkulation für Ihre konkrete Sendung.

Beispiel 1: Büromöbel, Zollsatz 0 Prozent

Position Betrag Erläuterung
Warenwert (FOB Shenzhen) 25.000,00 € Handelsrechnung des Lieferanten
Seefracht + Versicherung bis Hamburg 3.000,00 € bei FOB nicht im Warenpreis enthalten
Zollwert 28.000,00 € Summe beider Positionen
Zoll (0 %) 0,00 € Warengruppe zollfrei
Einfuhrumsatzsteuer (19 % auf 28.000 €) 5.320,00 € bei Vorsteuerabzug als Vorsteuer abziehbar
Tatsächliche Belastung 0,00 € 5.320 € binden allerdings vorübergehend Liquidität

Beispiel 2: Textilien, Zollsatz 12 Prozent

Position Betrag Erläuterung
Warenwert (FOB Guangzhou) 20.000,00 € Handelsrechnung des Lieferanten
Seefracht + Versicherung 2.400,00 € Kosten bis zur EU-Grenze
Zollwert 22.400,00 € Bemessungsgrundlage für den Zoll
Zoll (12 %) 2.688,00 € echter Kostenfaktor
Bemessungsgrundlage EUSt 25.088,00 € Zollwert + Zoll
Einfuhrumsatzsteuer (19 %) 4.766,72 € bei Vorsteuerabzug als Vorsteuer abziehbar
Tatsächliche Belastung 2.688,00 € entspricht rund 13 % des Einkaufspreises

Der Vergleich zeigt, warum die Zolltarifnummer über die Marge entscheidet: Bei gleichem Einkaufsvolumen beträgt der Unterschied zwischen beiden Sendungen fast 2.700 Euro, allein durch die Warengruppe.

Zollsätze für typische Waren aus China

Wie hoch der Zoll auf Waren aus China ausfällt, hängt von der Einreihung ab. Die folgende Übersicht nennt Beispielnummern und Sätze für Warengruppen, die im China-Handel häufig vorkommen. Sie dient der Orientierung, nicht der Anmeldung.

Warengruppe Zolltarifnummer (Beispiel) Regulärer Zollsatz Antidumpingzoll
Büromöbel, Drehstühle 9401 31 00 / 9401 39 00 0 % nein
Smartphones 8517 13 0 % nein
Solarmodule 8541 43 0 % 2018 ausgelaufen, derzeit keine
Werkzeugmaschinen, CNC 8459 61 2,7 % nein
Spielzeug 9503 00 0 % oder 4,7 %, je nach Unterposition nein
T-Shirts, Baumwolle 6109 10 12 % nein
E-Bikes 8711 60 6 % ja: 9,9 bis 70,1 % Antidumping plus 3,9 bis 17,2 % Ausgleichszoll
Fahrräder ohne Motor 8712 00 30 / 8712 00 70 14 % bzw. 15 % ja, bis 48,5 %
Keramikfliesen 6907 je nach Unterposition ja, 13,9 bis 69,7 %
Aluminium-Strangpressprofile 7604 je nach Unterposition ja, 21,2 bis 32,1 % (Auslaufüberprüfung läuft)
Kaltgewalzter Stahl 7209 0 %, außerhalb der Zollkontingente 50 % ja, 19,7 bis 22,1 %
Glasfasergewebe 7019 je nach Unterposition ja: 34,0 bis 69,0 % Antidumping plus 17,0 bis 30,7 % Ausgleichszoll
Elektrofahrzeuge 8703 80 10 % ja: 7,8 bis 35,3 % Ausgleichszoll (kein Antidumpingzoll)
Hinweis zu den Zahlen

Die Angaben geben den Stand Juli 2026 wieder und können sich jederzeit ändern — Handelsschutzmaßnahmen werden befristet erlassen, überprüft, verlängert oder laufen aus. Sätze gelten außerdem für konkrete Unterpositionen, nicht für ganze Warengruppen: Eine abweichende Ausführung Ihres Produkts kann in einer anderen Nummer landen. Für Stahl gilt ein Kontingentsystem, das die EU im Juli 2026 verschärft hat: außerhalb der zugeteilten Menge greift ein deutlich höherer Satz. Verbindlich ist allein die Auskunft aus EZT-Online beziehungsweise TARIC zum Zeitpunkt der Einfuhr, rechtssicher nur eine verbindliche Zolltarifauskunft (vZTA) der Zollverwaltung. Prüfen Sie die Werte vor jeder Kalkulation nach.

Antidumpingzölle: wann die Kalkulation kippt

Antidumpingzölle sollen Preisverzerrungen durch gedumpte Importe ausgleichen. Daneben gibt es Ausgleichszölle, die staatliche Subventionen im Ausfuhrland kompensieren — bei Elektrofahrzeugen aus China etwa greift dieses Instrument, nicht der Antidumpingzoll. Beide kommen zum regulären Zollsatz hinzu, teils nebeneinander, und erreichen bei einzelnen Warengruppen Werte, die den Import wirtschaftlich beenden.

Ein Rechenbeispiel mit E-Bikes, wieder vereinfacht: Warenwert 40.000 Euro, Fracht und Versicherung 4.000 Euro, Zollwert also 44.000 Euro. Der reguläre Satz von 6 Prozent ergibt 2.640 Euro. Kommt ein Antidumpingzoll von angenommen 62,1 Prozent hinzu, sind das weitere 27.324 Euro. Auf dieser Bemessungsgrundlage von 73.964 Euro fallen 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer an, also 14.053 Euro. Unter dem Strich übersteigen die Abgaben den Warenwert — ohne den Ausgleichszoll, der noch hinzukäme.

Zwei Eigenheiten machen diese Zölle besonders tückisch. Erstens gelten sie je Hersteller unterschiedlich: Für denselben Warentyp kann je nach Fabrik ein niedriger oder ein hoher Satz greifen, abhängig davon, ob der Hersteller im jeweiligen Durchführungsrechtsakt namentlich geführt wird. Zweitens greifen sie auch bei Umgehungsversuchen über Drittländer, wenn die Ware chinesischen Ursprungs bleibt.

So prüfen Sie den Status Ihrer Ware:

  1. Zolltarifnummer der Ware bestimmen, mindestens achtstellig.
  2. Nummer in der TARIC-Datenbank der EU-Kommission abfragen, als Ursprungsland China wählen.
  3. Im Ergebnis den Abschnitt zu handelspolitischen Maßnahmen öffnen und prüfen, ob eine Antidumpingmaßnahme aufgeführt ist.
  4. Bei einem Treffer den genannten Rechtsakt öffnen und den TARIC-Zusatzcode Ihres konkreten Herstellers suchen — davon hängt der Prozentsatz ab.
  5. Den Zusatzcode gemeinsam mit dem Lieferanten bestätigen und schriftlich festhalten, bevor Sie die Produktion beauftragen.

Was sich 2026 geändert hat — und was nicht

Zum 1. Juli 2026 ist die bisherige Zollfreigrenze von 150 Euro entfallen. An ihre Stelle ist eine pauschale Einfuhrabgabe von 3 Euro je Warenkategorie in einer Sendung getreten. Sie gilt allerdings eng begrenzt. Erfasst sind Sendungen aus dem Fernabsatz mit einem Sachwert bis 150 Euro, deren Einfuhr über das IOSS-Verfahren von der Umsatzsteuer befreit ist. Daneben fallen Postsendungen unter die Regelung. Die Einfuhrumsatzsteuer von 19 beziehungsweise 7 Prozent bleibt davon unberührt. Maßgeblich ist der Zeitpunkt der Einfuhr, nicht der Bestellung. Die Regelung ist als Übergangslösung bis zum 1. Juli 2028 angelegt; eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr ist ab November 2026 vorgesehen, ihre Höhe war bei Redaktionsschluss nicht entschieden.

Für den gewerblichen Import aus China ändert das praktisch nichts. Die Regelung zielt auf Fernverkäufe an Endkunden — die Direktsendungen der großen Marktplätze. Handelssendungen liegen fast immer deutlich über 150 Euro und werden ohnehin regulär angemeldet: mit EORI-Nummer, elektronischer Zollanmeldung und vollem Satz nach Zolltarifnummer. Wer Paletten oder Container importiert, rechnet weiter mit der oben beschriebenen Formel.

Hinweis

Zoll- und Steuerrecht ändern sich laufend, gerade in diesem Bereich. Die genannten Regelungen geben den Stand von Juli 2026 wieder und ersetzen keine Rechts-, Steuer- oder Zollberatung für Ihren Einzelfall. Prüfen Sie vor einer Einfuhr den aktuellen Stand bei der Zollverwaltung oder lassen Sie ihn prüfen.

Einfuhrumsatzsteuer: welcher Teil zurückkommt

In den Beispielen oben macht die Einfuhrumsatzsteuer den größten Betrag aus — und trotzdem ist sie für viele Unternehmen kein Kostenfaktor. Wer vorsteuerabzugsberechtigt ist, macht die gezahlte Einfuhrumsatzsteuer in der Umsatzsteuervoranmeldung als Vorsteuer geltend. Der Zoll dagegen bleibt endgültig, er wird zum Bestandteil Ihrer Anschaffungskosten.

Praktisch heißt das: Für die Margenrechnung zählt der Zoll, für die Liquiditätsplanung die Einfuhrumsatzsteuer. Zwischen der Zahlung bei der Einfuhr und dem Vorsteuerabzug in der nächsten Voranmeldung liegen je nach Anmeldungsrhythmus mehrere Wochen, in denen das Geld gebunden ist. Bei regelmäßigen Sendungen summiert sich das schnell auf einen fünfstelligen Betrag.

Als Nachweis dient der Einfuhrabgabenbescheid, den Sie nach der Abfertigung erhalten. Bewahren Sie ihn zusammen mit Handelsrechnung, Packliste und Transportdokument auf. Das Unionsrecht verlangt mindestens drei Jahre; in Deutschland greift für Zollunterlagen jedoch die zehnjährige Frist der Abgabenordnung. Wer häufig einführt, kann die Liquiditätslücke über ein Zahlungsaufschubkonto verringern: Die Abgaben werden dann gesammelt zu einem Stichtag im Folgemonat fällig statt bei jeder einzelnen Sendung.

Wer meldet an: EORI, ATLAS und die Rolle des Dienstleisters

Die Zollanmeldung läuft in Deutschland elektronisch über das System ATLAS. Voraussetzung ist eine EORI-Nummer, die jedes Unternehmen benötigt, das Ware einführt und kostenlos beantragen kann. Ohne diese Nummer nimmt der Zoll die Anmeldung nicht an — ein Grund, sie vor der ersten Bestellung zu beantragen und nicht erst, wenn der Container im Hafen liegt.

In der Praxis meldet selten der Importeur selbst an. Üblich ist die direkte Vertretung: Ein Spediteur oder Zollagent gibt die Anmeldung in Ihrem Namen und für Ihre Rechnung ab. Zollschuldner bleiben dabei Sie. Diese Rollenverteilung sollte im Auftrag stehen, ebenso die Frage, wer die Abgaben verauslagt.

Der Ablauf einer Standardsendung:

  1. Der Dienstleister erhält Handelsrechnung, Packliste und Transportdokument, meist vor Ankunft der Ware.
  2. Er prüft Warenbeschreibung und Zolltarifnummer auf Plausibilität und meldet elektronisch an.
  3. Der Zoll entscheidet über Abfertigung oder Beschau und setzt die Abgaben fest.
  4. Nach Zahlung oder Aufschub wird die Ware überlassen und kann ausgeliefert werden.

Bei vollständigen und stimmigen Unterlagen dauert die Abfertigung in der Regel ein bis drei Werktage. Verzögerungen entstehen fast immer an derselben Stelle: unklare Warenbeschreibung, fehlende Konformitätsdokumente oder Abweichungen zwischen Rechnung und Packliste. Liegt die Ware deshalb im Verwahrlager, laufen Lagerkosten mit.

Lösung

Wir übernehmen Dokumentenprüfung, Anmeldung und Abstimmung mit dem Zoll und liefern die Ware verzollt an Ihr Lager oder direkt zur FBA-Vorbereitung.

Häufige Fehler bei der Zollkalkulation

Die folgenden sechs Fehler tauchen in Importprojekten immer wieder auf. Alle lassen sich vor der Bestellung vermeiden.

  • Einfuhrumsatzsteuer nur auf den Zollwert gerechnet. Der Zoll gehört in die Bemessungsgrundlage. Bei einem Zollwert von 100.000 Euro und 12 Prozent Zoll fehlen in der Kalkulation sonst rund 2.280 Euro.
  • Antidumpingzoll nicht geprüft. Der Blick in TARIC dauert Minuten, die Nachzahlung trifft eine ganze Partie.
  • Zollwert bei EXW zu niedrig angesetzt. Vorlauf, Exportabfertigung und Hauptlauf gehören dazu.
  • Zolltarifnummer vom Lieferanten übernommen. Die chinesische Nummer weicht ab der siebten Stelle ab, und die Verantwortung für die Einreihung liegt beim Anmelder. Eine falsche Nummer kann rückwirkend nacherhoben werden.
  • EORI-Nummer erst bei Ankunft beantragt. Bis sie vorliegt, steht die Sendung — mit Lagerkosten.
  • Konformitätsunterlagen vergessen. Für viele Produktgruppen sind Zertifikate und Konformitätserklärungen Voraussetzung für das Inverkehrbringen; fehlen sie, wird aus einem Zollthema ein Produktsicherheitsthema.
Lösung

Wir rechnen Ihre Landed Cost vor dem Einkauf durch: Zolltarifnummer, Abgaben, Incoterms und Nebenkosten in einer Kalkulation, mit der Sie Ihren Verkaufspreis belastbar bestimmen.

Häufige Fragen zu Zollgebühren beim Import aus China

Wie hoch ist der Zoll bei Import aus China?

Das hängt allein von der Zolltarifnummer ab, nicht vom Ursprungsland. Bei typischen Konsumgütern liegen die regulären Sätze zwischen 0 und rund 15 Prozent: Elektronik und viele Möbel sind zollfrei, Textilien liegen bei etwa 12 Prozent. Hinzu kommen 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer (bei ermäßigt besteuerten Waren 7 Prozent) und bei einzelnen Warengruppen Antidumpingzölle. Den für Ihre Ware gültigen Satz prüfen Sie in EZT-Online oder TARIC.

Ab wann fallen Zollgebühren an?

Bei gewerblichen Sendungen ab dem ersten Euro: Jede Handelssendung wird angemeldet, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer werden nach Zollwert und Zolltarifnummer festgesetzt. Die früher diskutierten Freigrenzen betrafen Kleinsendungen an Privatpersonen und sind zum 1. Juli 2026 entfallen.

Gibt es eine Zollfreigrenze für Waren aus China?

Nein. Die frühere Grenze von 150 Euro ist zum 1. Juli 2026 weggefallen. Für Fernverkäufe unterhalb dieses Werts gilt übergangsweise eine Pauschale von 3 Euro je Warenkategorie in der Sendung. Für Handelsware ohne Bezug zum Endkundengeschäft spielt die Regelung keine Rolle, weil solche Sendungen regulär verzollt werden.

Gilt die Drei-Euro-Pauschale auch für meine Handelsware?

In aller Regel nicht. Die Pauschale betrifft Fernverkäufe an Endkunden mit einem Sachwert bis 150 Euro. Wer Paletten oder Container einführt, meldet regulär an und zahlt den Satz laut Zolltarifnummer. Bei kleinen Musterlieferungen oder Direktversand an Endkunden lohnt eine Einzelfallprüfung.

Was ist der Unterschied zwischen Zoll und Einfuhrumsatzsteuer?

Der Zoll ist eine Abgabe auf die Einfuhr selbst und bleibt endgültig bei Ihnen. Die Einfuhrumsatzsteuer entspricht der Umsatzsteuer auf eingeführte Ware; vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen holen sie über die Umsatzsteuervoranmeldung zurück. Für die Marge zählt deshalb der Zoll, für die Liquidität die Einfuhrumsatzsteuer.

Wie berechne ich den Zollwert bei einer FOB-Lieferung?

Zum FOB-Rechnungsbetrag addieren Sie die Kosten des Hauptlaufs und die Transportversicherung bis zum Eintritt in das Zollgebiet der EU. Das Ergebnis entspricht dem CIF-Wert und bildet den Zollwert. Bei EXW kommen zusätzlich Vorlauf und Exportabfertigung in China hinzu.

Kann ich die Einfuhrumsatzsteuer als Vorsteuer abziehen?

Ja, sofern Sie vorsteuerabzugsberechtigt sind und die Ware für Ihr Unternehmen einführen. Als Nachweis dient der Einfuhrabgabenbescheid. Der Zoll selbst ist dagegen nicht abziehbar, er gehört zu den Anschaffungskosten. Die Einzelheiten klären Sie mit Ihrer Steuerberatung.

Wie finde ich heraus, ob ein Antidumpingzoll anfällt?

Über die TARIC-Datenbank der EU-Kommission: Zolltarifnummer eingeben, als Ursprung China wählen und die handelspolitischen Maßnahmen prüfen. Fällt Ihre Ware darunter, entscheidet der TARIC-Zusatzcode Ihres Herstellers über die Höhe. Klären Sie diesen Code mit dem Lieferanten, bevor die Produktion startet.

Wer haftet bei einer falschen Zolltarifnummer?

Der Anmelder, also im Regelfall Sie als Importeur — auch dann, wenn ein Dienstleister die Anmeldung abgibt oder der Lieferant die Nummer angegeben hat. Zu niedrig angesetzte Abgaben können nacherhoben werden. Wer sich absichern will, beantragt eine verbindliche Zolltarifauskunft.

Wie lange dauert die Zollabfertigung?

Bei vollständigen Unterlagen üblicherweise ein bis drei Werktage nach Ankunft. Länger dauert es bei einer Beschau, bei unklarer Warenbeschreibung oder wenn Dokumente nachgereicht werden müssen. In dieser Zeit lagert die Ware kostenpflichtig.

Brauche ich für Amazon FBA eine eigene Zollanmeldung?

Ja. Amazon nimmt keine unverzollte Ware an und tritt nicht als Importeur auf. Die Ware wird auf Ihre EORI-Nummer eingeführt und verzollt, erst danach geht sie ins FBA-Lager. Planen Sie deshalb Zeitpuffer zwischen Ankunft im Hafen und Anlieferungstermin ein.

Zollkosten vor der Bestellung kalkulieren, nicht nach der Ankunft

Die Rechnung selbst ist überschaubar: Zollwert bilden, Zolltarifnummer bestimmen, Satz anwenden, Einfuhrumsatzsteuer auf Zollwert plus Zoll ansetzen. Schwierig sind die Randbedingungen — die richtige Einreihung, mögliche Antidumpingzölle, die Frage, welche Frachtanteile in den Zollwert gehören. Genau dort entstehen die Abweichungen, an denen eine Kalkulation kippt.

Wer die Zahlen vor dem ersten Produktionsauftrag kennt, verhandelt anders: über Incoterms, über Stückzahlen, manchmal über eine andere Produktausführung mit günstigerer Einreihung. Wenn Sie Ihre nächste Sendung einmal durchrechnen lassen möchten — von der Zolltarifnummer bis zur Landed Cost — sehen wir uns Ihre Unterlagen an und sagen Ihnen, wo die Kalkulation hakt.

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