29. Oktober 2026
T1-Versandverfahren: Mit dem T1-Dokument unverzollt vom Seehafen zum Bestimmungsort
Hersteller in China finden und prüfen: Recherche, Verifizierung und erste Anfrage
Hersteller in China finden, echte Fabriken von Handelsfirmen unterscheiden und Lieferanten über chinesische Register prüfen — mit Checkliste und RFQ-Muster.
Inhalt
- Hersteller, Handelsfirma oder Sourcing-Agent: wen Sie eigentlich suchen
- Sourcing aus China: wo Sie Hersteller in China finden
- Fabrik oder Zwischenhändler? Woran Sie den Unterschied erkennen
- Lieferanten prüfen: Geschäftslizenz, USCC und chinesische Register
- Die erste Anfrage: was in ein RFQ gehört
- Muster und Testbestellung
- Fabrikaudit: wann er sich lohnt und was geprüft wird
- Warnsignale und typische Betrugsmuster
- Häufige Fragen zur Hersteller- und Lieferantensuche in China
- Woran Sie einen belastbaren Lieferanten erkennen
Einen Hersteller in China finden ist der einfache Teil. Auf Alibaba liefert jede Produktsuche Hunderte Anbieter, und die meisten antworten innerhalb eines Tages. Schwierig wird es an der Stelle danach: herauszufinden, wer von diesen Anbietern tatsächlich produziert, wer nur weiterverkauft — und wem Sie eine Anzahlung überweisen können, ohne sie zu verlieren.
Die meisten Anleitungen zu diesem Thema enden genau dort, wo es interessant wird. Sie listen Plattformen auf, raten zu „seriösen Fabriken statt Zwischenhändlern“ und lassen offen, woran man den Unterschied erkennen soll. Dabei ist er überprüfbar: Jedes chinesische Unternehmen ist mit einer eindeutigen Nummer in einem öffentlichen Register eingetragen, und dort steht auch, ob es überhaupt produzieren darf.
Genau darum geht es beim Sourcing aus China: nicht um die Plattformsuche, sondern um die Beschaffung in China als Prozess — Recherche, Prüfung, Anfrage, Muster. Der Artikel folgt diesem Weg in der Reihenfolge, in der Sie ihn gehen: Wen Sie eigentlich suchen, wo Sie ihn finden, wie Sie ihn vor dem ersten Auftrag prüfen und was in die erste Anfrage gehört, damit Vermittler sich von selbst aussortieren.
- Auf B2B-Plattformen treten viele Handelsfirmen als Hersteller auf — der Unterschied ist über das Handelsregister überprüfbar, nicht über den Eindruck im Chat.
- Jedes chinesische Unternehmen hat eine 18-stellige einheitliche Sozialkreditnummer (USCC). Sie steht auf der Geschäftslizenz und ist der Schlüssel zu jeder Prüfung.
- Im Geschäftszweck der Lizenz steht, ob das Unternehmen produzieren oder nur handeln darf. Weicht das von der Selbstdarstellung ab, ist die Sache geklärt.
- 1688.com ist Alibabas chinesischer Binnenmarkt — dort steht die Fabrik ohne Exportaufschlag, aber auch ohne englischsprachige Betreuung.
- Ein Fabrikaudit vor Ort kostet je nach Anbieter und Umfang rund 150 bis 400 US-Dollar pro Inspektionstag.
- Üblich ist eine Anzahlung von 30 Prozent, der Rest nach bestandener Endkontrolle — nicht nach Verladung.
Hersteller, Handelsfirma oder Sourcing-Agent: wen Sie eigentlich suchen
„Lieferant“ ist ein Sammelbegriff für drei sehr verschiedene Gegenüber. Welches davon zu Ihnen passt, hängt von Menge, Produkt und dem Grad an Kontrolle ab, den Sie über die Fertigung brauchen.
Der Hersteller (Fabrik)
Produziert selbst, in eigenen Räumen, mit eigenen Maschinen. Sie zahlen den Fertigungspreis ohne Zwischenmarge und können Spezifikation, Material und Verpackung direkt festlegen. Der Preis dafür: höhere Mindestmengen, oft keine englischsprachige Betreuung und selten Erfahrung mit europäischen Anforderungen.
Die Handelsfirma (Trading Company)
Kauft bei Fabriken ein und verkauft weiter. Das ist kein Betrug, sondern ein Geschäftsmodell — und in manchen Fällen sinnvoll: Handelsfirmen nehmen kleinere Mengen an, bündeln Sortimente aus mehreren Fabriken und sprechen Englisch. Nachteile sind der Aufschlag und die fehlende Kontrolle darüber, wer am Ende tatsächlich fertigt und ob dieser Betrieb im Laufe der Zeit gewechselt wird.
Problematisch wird es erst, wenn eine Handelsfirma sich als Fabrik ausgibt. Dann zahlen Sie eine Marge, von der Sie nichts wissen, und reklamieren später bei jemandem, der die Ware selbst nie gesehen hat.
Der Sourcing-Agent
Sucht und prüft in Ihrem Auftrag und verhandelt in Ihrem Namen. Entscheidend ist, wie er bezahlt wird: gegen Honorar oder eine offene Provision auf Ihren Einkaufswert — dann arbeitet er für Sie; oder über eine Marge auf den Warenwert, die Sie nicht sehen — dann ist er eine Handelsfirma mit anderem Namen. Fragen Sie das ausdrücklich, bevor Sie beauftragen.
| Kriterium | Hersteller | Handelsfirma |
|---|---|---|
| Preis | Fertigungspreis | mit Aufschlag |
| Mindestmenge | höher | niedriger |
| Einfluss auf die Fertigung | direkt | mittelbar bis keiner |
| Exportabwicklung | nicht immer vorhanden | in der Regel vorhanden |
| Sinnvoll bei | eigenem Produkt, Serie, wiederkehrenden Aufträgen | Sortiment aus mehreren Quellen, kleinen Mengen, Markttest |
Wenn Sie noch nicht wissen, welcher Typ zu Ihrem Vorhaben passt, hilft die Übersicht auf unserer Seite zu Lieferanten finden in China bei der Einordnung.
Sourcing aus China: wo Sie Hersteller in China finden
Eine einzige Quelle reicht nicht. Jeder Kanal zeigt einen anderen Ausschnitt des Marktes — und blendet einen anderen Teil aus. Wer den Einkauf in China auf eine Plattform beschränkt, sieht deshalb nur die Anbieter, die sich dort präsentieren — nicht unbedingt die, die produzieren.
Alibaba, Made-in-China und Global Sources
Der übliche Einstieg, und für einen ersten Marktüberblick auch der richtige: Sie sehen Produktbilder, Preisspannen und Mindestmengen, ohne ein Wort Chinesisch zu können. Was Sie dort nicht sehen, ist die Struktur dahinter. Die Plattformen sind auf ausländische Käufer ausgerichtet, und genau deshalb sind Handelsfirmen dort überrepräsentiert: Sie haben das Personal, um englischsprachige Anfragen zu beantworten, eine Fabrik oft nicht.
Statusabzeichen der Plattformen helfen begrenzt weiter. Ein „verifizierter“ Anbieter hat bezahlte Prüfschritte durchlaufen, was Existenz und Grunddaten bestätigt — aber nicht, dass er selbst produziert. Bewertungen und Transaktionsvolumen sind ein Anhaltspunkt — sie lassen sich aber auch kaufen.
1688.com: der chinesische Binnenmarkt
1688.com gehört zur selben Unternehmensgruppe wie Alibaba, richtet sich aber an den chinesischen Inlandsmarkt. Die Oberfläche ist auf Chinesisch, die Preise sind Inlandspreise, und viele Anbieter dort sind Fabriken, die nie in den Export gegangen sind.
Das ist Vorteil und Hürde zugleich. Sie kommen näher an den tatsächlichen Fertigungspreis heran, müssen aber Sprache, Zahlungsabwicklung und Export selbst organisieren — ein Anbieter ohne Ausfuhrberechtigung kann Ihre Ware nicht ausführen. In der Praxis ist 1688 deshalb vor allem als Recherchequelle wertvoll: Sie finden dort Fabriken, die auf Alibaba nicht auftauchen, und prüfen sie anschließend über das Register.
Messen: Canton Fair und Branchenmessen
Auf der Canton Fair in Guangzhou, die zweimal jährlich im Frühjahr und im Herbst stattfindet, stehen Sie den Menschen gegenüber, mit denen Sie sonst nur chatten. In zehn Minuten am Stand erfahren Sie mehr über Fertigungstiefe und Kapazität als in zwei Wochen E-Mail-Verkehr — vorausgesetzt, Sie stellen die richtigen Fragen und haben einen kompetenten Dolmetscher dabei.
Für kleinere Importeure lohnt die Reise vor allem dann, wenn mehrere Vorhaben gleichzeitig anstehen oder das Produkt erklärungsbedürftig ist. Für eine einzelne Standardware ist der Aufwand meist zu hoch.
Netzwerk und Kontakte vor Ort
Der Kanal mit der höchsten Trefferquote und dem geringsten Suchvolumen: Empfehlungen aus der Branche, Kontakte in den Produktionsregionen, Zulieferer bestehender Partner. Fabriken mit voller Auftragslage bewerben sich nicht auf Plattformen — sie werden weitergereicht.
Eva Solutions recherchiert Hersteller über Plattformen, 1688, Fabrikdatenbanken, Messen und eigene Kontakte in den Produktionsregionen — und liefert eine Shortlist mit Preisen, Mindestmengen und Lieferzeiten statt einer Liste anonymer Profile.
Fabrik oder Zwischenhändler? Woran Sie den Unterschied erkennen
Es kursiert die Auffassung, man könne das ohnehin nicht feststellen. Das stimmt nicht — es kostet nur einen Arbeitsschritt mehr als ein Blick auf das Firmenprofil. Vor der Registerprüfung, die im nächsten Abschnitt kommt, geben bereits diese Signale erste Hinweise:
- Sortimentsbreite. Ein Anbieter, der Kopfhörer, Gartenmöbel und Küchenwaagen führt, fertigt nichts davon. Fabriken sind auf eine Produktgruppe und ein Fertigungsverfahren spezialisiert.
- Fotos. Dieselben Hallenaufnahmen tauchen bei mehreren „Herstellern“ auf. Fragen Sie nach einem aktuellen Video aus der laufenden Fertigung, mit Ihrem Produkt in der Linie.
- Antwortverhalten bei technischen Fragen. Fragen Sie nach Toleranzen, Materialstärke, Werkzeugkosten oder der Taktzeit. Eine Fabrik antwortet direkt, eine Handelsfirma braucht auffällig lange — sie fragt selbst nach.
- Preisreaktion bei Mengenänderung. Wer selbst fertigt, kann Staffelpreise begründen, weil er Rüstkosten und Materialeinkauf kennt. Ein Vermittler nennt Sprünge ohne Begründung.
- Firmenname. Chinesische Betriebe führen häufig einen registrierten Namen und einen davon abweichenden Handelsnamen. Lassen Sie sich den registrierten Namen nennen — er wird für die Prüfung gebraucht.
- Standort. Eine Adresse in einem Bürogebäude im Stadtzentrum passt nicht zu einer Fertigung mit Maschinenpark.
Keines dieser Signale beweist für sich etwas. Zusammen ergeben sie ein Bild, das die anschließende Registerprüfung entweder bestätigt oder widerlegt.
Lieferanten prüfen: Geschäftslizenz, USCC und chinesische Register
Das ist der Schritt, den fast alle Anleitungen auslassen — obwohl er weder teuer noch kompliziert ist. Chinesische Unternehmen sind öffentlich registriert, und die Eckdaten sind einsehbar.
Was in der Geschäftslizenz steht
Die Geschäftslizenz (营业执照, Business License) ist die Gründungsurkunde jedes chinesischen Unternehmens. Fordern Sie eine Kopie an — eine seriöse Fabrik schickt sie ohne Rückfrage. Darauf stehen unter anderem:
- der registrierte Firmenname auf Chinesisch — maßgeblich ist dieser, nicht der englische Handelsname;
- die einheitliche Sozialkreditnummer (USCC);
- der gesetzliche Vertreter, das Gründungsdatum und das gezeichnete Stammkapital;
- der Geschäftszweck (经营范围) — die entscheidende Zeile.
Der Geschäftszweck verrät den Typ
Im Geschäftszweck steht, welche Tätigkeiten das Unternehmen ausüben darf. Ist dort Fertigung oder Produktion einer bestimmten Warengruppe eingetragen, produziert der Betrieb tatsächlich. Steht dort ausschließlich Groß- und Einzelhandel, Import und Export oder Handelsvermittlung, dann haben Sie eine Handelsfirma vor sich — unabhängig davon, was auf dem Plattformprofil steht.
Das ist der schnellste und härteste Filter im ganzen Prozess. Er kostet fünf Minuten und beantwortet die Frage, an der sonst der halbe Rechercheaufwand hängt.
Die USCC: der 18-stellige Unternehmenscode
Die einheitliche Sozialkreditnummer (统一社会信用代码) ist der eindeutige Identifikator eines chinesischen Unternehmens — vergleichbar mit der Handelsregisternummer, nur einheitlich über alle Behörden hinweg. Sie wurde 2015 eingeführt, besteht aus 18 Stellen mit Ziffern und Buchstaben und steht auf der Geschäftslizenz. Mit ihr lässt sich prüfen, ob die vorgelegte Lizenz zu einem real existierenden, aktiven Unternehmen gehört.
Wo Sie damit nachschlagen
Für die Prüfung gibt es zwei Wege. Das amtliche Register der chinesischen Marktaufsicht (National Enterprise Credit Information Publicity System) ist die Primärquelle. Daneben bündeln kommerzielle Auskunftsdienste wie Qichacha (企查查) und Tianyancha (天眼查) dieselben Registerdaten und ergänzen sie um Verfahren, Beteiligungen und Bonitätshinweise.
Beide Wege haben dieselbe Hürde: Die Oberflächen sind auf Chinesisch, teils ist eine chinesische Mobilnummer für die Anmeldung nötig, und der Zugriff aus Europa ist nicht immer zuverlässig. Deshalb übernehmen diesen Schritt in der Praxis Partner vor Ort — was ihn nicht weniger notwendig macht.
Exportlizenz und Exporterfahrung
Produzieren und ausführen dürfen sind zwei verschiedene Dinge. Ein Betrieb ohne Ausfuhrberechtigung muss die Ausfuhr über einen Dritten abwickeln — das ist zulässig und üblich, sollte aber vor der Bestellung geklärt sein und nicht danach. Fragen Sie außerdem nach bisherigen Exportmärkten: Ein Hersteller, der noch nie nach Europa geliefert hat, kennt weder die üblichen Dokumentenanforderungen noch die europäischen Produktvorschriften.
Eine bestandene Registerprüfung sagt aus, dass ein Unternehmen existiert, aktiv ist und wofür es zugelassen ist. Sie sagt nichts über Fertigungsqualität, Kapazität oder Zahlungsmoral. Beides zusammen ergibt erst ein Bild — die Registerprüfung ersetzt weder Muster noch Audit.
Der gesamte Prüfblock kostet weniger als einen Arbeitstag — vorausgesetzt, jemand liest Chinesisch und kommt an die Register heran. Genau daran scheitert er in der Praxis, und deshalb wird er übersprungen.
Unser Team in China prüft Geschäftslizenz, Registereintrag, Geschäftszweck und Exportberechtigung in der Landessprache und besucht die Fabrik auf Wunsch persönlich — bevor Sie die erste Anzahlung leisten.
Die erste Anfrage: was in ein RFQ gehört
Die erste Nachricht entscheidet, welche Antworten Sie bekommen. „Bitte senden Sie mir Ihren besten Preis für dieses Produkt“ erzeugt eine Zahl, die nichts bedeutet — weil Menge, Ausführung und Lieferbedingung offen sind. Eine präzise Anfrage erzeugt vergleichbare Angebote und sortiert nebenbei aus.
Was hineingehört
- Produkt und Spezifikation — Maße, Material, Gewicht, Farbe, Funktion; wenn vorhanden, Zeichnung, Foto oder Muster.
- Zielmenge und Staffelung — nennen Sie zwei oder drei Mengenstufen, dann sehen Sie die Preisstruktur statt eines Einzelpreises.
- Verpackung — Einzelverpackung, Kartoninhalt, Kennzeichnung für den EU-Markt.
- Lieferbedingung — welcher Incoterm gelten soll; ohne diese Angabe sind Angebote nicht vergleichbar.
- Zieltermin — wann die Ware in Europa gebraucht wird, nicht wann sie die Fabrik verlässt.
- Zertifikate — welche Nachweise das Produkt für den EU-Markt braucht.
Die zwei Fragen, die Vermittler aussortieren
Ergänzen Sie zwei Sätze, die in kaum einer Anfrage stehen: die Bitte um eine Kopie der Geschäftslizenz mit der Sozialkreditnummer und die Frage, ob im eigenen Werk gefertigt wird oder ob Fertigungsschritte vergeben werden. Eine Fabrik beantwortet beides in einer Zeile. Eine Handelsfirma weicht aus, verweist auf Vertraulichkeit oder antwortet gar nicht — und hat sich damit selbst aus Ihrer Auswahl genommen.
Muster für die erste Anfrage
Schreiben Sie chinesischen Lieferanten auf Englisch. Deutsch liest dort niemand, und eine maschinell übersetzte Anfrage wirkt unprofessionell. Das folgende Muster zeigt Aufbau und Inhalt:
Dear Sir or Madam,
we are a German importer looking for a manufacturing partner for [product]. Please find the specification and photos attached.
Could you please quote for 500, 2,000 and 5,000 pcs, FOB [port], stating your MOQ, production lead time and sample cost? Packaging should meet [requirement]; the goods are intended for the EU market.
For our supplier approval we also need a copy of your business licence showing the Unified Social Credit Code, and confirmation whether production takes place entirely in your own factory.
Thank you and best regards
Der Verweis auf die Lieferantenfreigabe („supplier approval“) ist bewusst gewählt: Er macht die Nachfrage zu einem normalen Vorgang statt zu einem Misstrauensbeweis — und genau so wird sie auch beantwortet.
Muster und Testbestellung
Bevor eine Serie startet, sind zwei Zwischenschritte nötig. Zuerst das Muster: Es zeigt, ob der Betrieb Ihre Spezifikation überhaupt umsetzen kann, und dient später als Referenz, gegen die geprüft wird. Bestehen Sie darauf, dass das Muster aus der Fertigung stammt, die auch die Serie produziert — nicht aus dem Musterbau.
Danach die Testbestellung: eine kleine Menge zu regulären Bedingungen. Sie prüft nicht nur das Produkt, sondern den gesamten Ablauf — Kommunikation bei Rückfragen, Termintreue, Verpackung, Dokumente. Wer hier Auffälligkeiten bemerkt, findet sie bei der Serie in größerem Maßstab wieder. Wie sich Anforderungen verbindlich festhalten lassen, beschreiben wir auf der Seite zur Produktion nach Spezifikation.
Fabrikaudit: wann er sich lohnt und was geprüft wird
Ein Audit ist der Besuch vor Ort mit Prüfauftrag. Er beantwortet die Fragen, die weder Register noch Muster beantworten: Existiert die Fertigung in der angegebenen Größe, kann sie Ihr Volumen termingerecht bewältigen, und wie ist die Qualitätssicherung organisiert?
Geprüft werden üblicherweise Maschinenpark und Fertigungstiefe, Kapazität und aktuelle Auslastung, Abläufe der Qualitätskontrolle und Umgang mit Ausschuss, Lagerhaltung sowie Arbeitsbedingungen. Das Ergebnis ist ein Bericht mit Fotos, Videos und einer Einschätzung, ob der Betrieb für Ihren Auftrag geeignet ist.
Ein eintägiger Fabrikbesuch bewegt sich je nach Anbieter, Region und Umfang bei etwa 150 bis 400 US-Dollar pro Inspektionstag (Stand: 2026); Auditoren aus Europa liegen darüber. Gemessen an einer Anzahlung im vier- oder fünfstelligen Bereich ist das eine kleine Position — die Frage ist weniger, ob man sich das leisten kann, als ab welchem Auftragswert man darauf verzichten will.
Achten Sie darauf, wer prüft. Ein vom Hersteller selbst erstellter Prüfbericht ist Eigenwerbung, kein Nachweis. Aussagekraft hat nur die Prüfung durch eine Partei, die nicht am Auftrag verdient.
Wir auditieren die Fabrik mit eigenem Team vor Ort und kontrollieren die Ware vor der Verladung — mit Foto- und Videobericht und einer klaren Pass-oder-Fail-Entscheidung, solange die Ware noch in China ist.
Warnsignale und typische Betrugsmuster
Rote Flaggen im Erstkontakt
- Preis deutlich unter dem Marktniveau. Bei gleicher Spezifikation gibt es keine 30 Prozent Preisvorteil ohne Grund — der Grund ist meist ein anderes Material oder B-Ware.
- Zahlung auf ein Privatkonto oder auf ein Konto, dessen Inhaber nicht dem Firmennamen entspricht.
- Drängen auf schnelle Anzahlung mit Hinweis auf Materialpreise oder ausgebuchte Kapazität.
- Ausweichen bei Dokumenten — keine Lizenz, keine Registernummer, keine Werksadresse.
- Zertifikate als Bilddatei ohne Prüfnummer und ohne Angabe der ausstellenden Stelle.
Muster, die immer wieder vorkommen
Ausschussware als Neuware. Ein Vermittler kauft bei der Fabrik die aussortierte Charge und verkauft sie als reguläre Produktion — deshalb der auffällig günstige Preis. Auffällig wird es erst beim Endkunden.
Stiller Wechsel des Fertigungsbetriebs. Die erste Lieferung stimmt, die dritte nicht mehr: Der Auftrag ist ohne Absprache an einen Subunternehmer gegangen. Dagegen hilft, den Fertigungsort vertraglich festzuschreiben und vor jeder Verladung zu kontrollieren.
Abweichung nach der Musterfreigabe. Das Muster entspricht der Spezifikation, die Serie unterscheidet sich in einem Detail, das erst im Betrieb auffällt — eine kürzere Laufzeit, ein dünneres Material, ein anderes Bauteil. Dagegen hilft nur die Endkontrolle gegen das freigegebene Muster.
Zahlung und Vertrag als Absicherung
Verbreitet und sinnvoll ist eine Aufteilung: rund 30 Prozent Anzahlung bei Auftragserteilung, der Rest nach bestandener Endkontrolle — ausdrücklich nicht nach Verladung. Denn nach der Verladung haben Sie kein Druckmittel mehr, und eine Reklamation aus Europa gegen einen Betrieb in China durchzusetzen ist aufwendig genug, dass es sich erst bei größeren Beträgen überhaupt rechnet.
Im Vertrag lassen sich zusätzlich der Fertigungsort, die Freigabe gegen ein hinterlegtes Muster und eine Vertragsstrafe für Terminüberschreitung festhalten. Ob eine solche Klausel im Streitfall durchsetzbar ist, hängt von Vertragssprache, Gerichtsstand und Ausgestaltung ab — dazu berät unsere Rechtsberatung in China.
Häufige Fragen zur Hersteller- und Lieferantensuche in China
Wie finde ich einen Hersteller in China?
Über mehrere Kanäle parallel: B2B-Plattformen wie Alibaba, Made-in-China und Global Sources für den Marktüberblick, 1688.com für Fabriken ohne Exportausrichtung, Messen wie die Canton Fair für den persönlichen Eindruck und Empfehlungen aus dem Netzwerk. Entscheidend ist nicht der Kanal, sondern die anschließende Prüfung: Geschäftslizenz anfordern und den Registereintrag verifizieren.
Was bedeutet Sourcing aus China und wie läuft es ab?
Sourcing aus China ist die gesamte Beschaffung in China: Produktrecherche, Suche und Prüfung von Herstellern, Anfrage und Preisverhandlung, Muster und Begleitung bis zur Verladung. Die Plattformsuche ist nur der erste Schritt. Ob Sie den Einkauf in China selbst übernehmen oder einen Sourcing-Agenten beauftragen, hängt von Produkt, Menge und Ihrer Zeit ab — die Prüfung anhand von Geschäftslizenz und Register bleibt in beiden Fällen gleich.
Was ist der Unterschied zwischen Hersteller und Handelsfirma?
Ein Hersteller fertigt selbst und gibt Ihnen den Fertigungspreis, verlangt aber meist höhere Mindestmengen. Eine Handelsfirma kauft bei Fabriken ein und verkauft mit Aufschlag weiter, nimmt dafür kleinere Mengen an und bündelt Sortimente. Beides kann sinnvoll sein — problematisch ist nur, wenn eine Handelsfirma sich als Fabrik ausgibt.
Wie erkenne ich, ob ein Anbieter auf Alibaba eine echte Fabrik ist?
Nicht am Profil und nicht am Statusabzeichen der Plattform. Erste Hinweise geben ein sehr breites Sortiment, ausweichende Antworten auf technische Fragen und Hallenfotos, die auch bei anderen Anbietern auftauchen. Sicherheit gibt erst die Geschäftslizenz: Steht dort als Geschäftszweck nur Handel und kein Fertigungsvorgang, ist die Frage beantwortet.
Was ist die USCC und wie prüfe ich damit ein Unternehmen?
Die einheitliche Sozialkreditnummer (Unified Social Credit Code) ist der 18-stellige, eindeutige Identifikator jedes chinesischen Unternehmens und steht auf der Geschäftslizenz. Mit ihr schlagen Sie das Unternehmen im amtlichen Register der Marktaufsicht oder bei Auskunftsdiensten wie Qichacha und Tianyancha nach und sehen, ob es existiert, aktiv ist und wofür es zugelassen ist.
Was steht in der chinesischen Geschäftslizenz?
Der registrierte Firmenname auf Chinesisch, die einheitliche Sozialkreditnummer, der gesetzliche Vertreter, Gründungsdatum, Stammkapital und der Geschäftszweck. Die wichtigste Zeile ist der Geschäftszweck: Er sagt, ob das Unternehmen produzieren oder ausschließlich handeln darf. Maßgeblich ist außerdem der chinesische Registername, nicht der englische Handelsname.
Was ist der Unterschied zwischen 1688.com und Alibaba.com?
Alibaba.com richtet sich an ausländische Käufer, 1688.com an den chinesischen Binnenmarkt. Auf 1688 finden Sie Fabriken, die nie in den Export gegangen sind, und Preise ohne Exportausrichtung — dafür auf Chinesisch, ohne englischsprachige Betreuung und teils ohne eigene Ausfuhrberechtigung. Als Recherchequelle ist 1688 wertvoll, die Abwicklung braucht dann Unterstützung vor Ort.
Welche Dokumente sollte ich vor dem ersten Auftrag anfordern?
Die Geschäftslizenz mit Sozialkreditnummer, den Nachweis der Ausfuhrberechtigung oder die Angabe, über wen ausgeführt wird, sowie die Produktzertifikate, die für den EU-Markt gebraucht werden. Nützlich sind zusätzlich Referenzen bisheriger Exportmärkte. Zertifikate als reine Bilddatei ohne Prüfnummer und ausstellende Stelle sind kein Nachweis.
Was kostet ein Fabrikaudit in China?
Lokale Inspektoren berechnen für einen eintägigen Audit je nach Region und Aufwand in der Regel 150 bis 400 US-Dollar (Stand: 2026); für Auditoren aus Europa liegt der Satz höher. Hinzu kommen Anfahrt und gegebenenfalls Laborprüfungen. Gemessen an der Anzahlung für eine Erstbestellung bleibt das eine kleine Position.
Lohnt sich die Canton Fair für kleinere Importeure?
Sie lohnt sich, wenn mehrere Produkte gleichzeitig anstehen oder die Ware erklärungsbedürftig ist — im direkten Gespräch klären sich Fertigungstiefe und Kapazität schneller als über Wochen im Chat. Für eine einzelne Standardware steht der Reiseaufwand meist nicht dafür. Die Messe findet zweimal jährlich in Guangzhou statt, im Frühjahr und im Herbst, jeweils in drei Phasen nach Warengruppen — prüfen Sie vorab, in welcher Phase Ihre Kategorie ausstellt.
Warum sind viele große Fabriken nicht auf Alibaba zu finden?
Weil sie es nicht nötig haben. Betriebe mit stabiler Auftragslage und festen Großkunden akquirieren über Empfehlungen und Messen, nicht über Plattformen, die auf Einzelanfragen aus dem Ausland ausgelegt sind. Wer nur auf Plattformen sucht, sieht deshalb einen Ausschnitt des Marktes — den, der aktiv um ausländische Kunden wirbt.
Sourcing-Agent beauftragen oder selbst suchen?
Selbst suchen ist sinnvoll bei einfachen Standardprodukten und wenn Zeit vorhanden ist. Ein Agent lohnt sich bei technischen Produkten, mehreren Lieferanten oder wenn Prüfung vor Ort nötig ist. Entscheidend ist das Vergütungsmodell: Wer über Honorar oder offenen Prozentsatz bezahlt wird, arbeitet für Sie — wer über eine verdeckte Marge auf den Warenwert verdient, ist eine Handelsfirma.
Wie sichere ich die Zahlung an einen neuen Lieferanten ab?
Verbreitet ist eine Anzahlung von rund 30 Prozent bei Auftragserteilung und die Restzahlung nach bestandener Endkontrolle — nicht nach Verladung, denn danach fehlt das Druckmittel. Überweisen Sie ausschließlich auf ein Firmenkonto, dessen Inhaber dem registrierten Firmennamen entspricht. Bei Erstaufträgen empfiehlt sich zusätzlich eine unabhängige Kontrolle vor der Verladung.
Woran Sie einen belastbaren Lieferanten erkennen
Die Suche selbst ist der kürzeste Teil des Weges. Was einen Lieferanten belastbar macht, entscheidet sich in den Schritten danach: ob Sie den Registereintrag geprüft haben statt des Firmenprofils, ob im Geschäftszweck Fertigung steht, ob das Muster aus derselben Fertigung kam wie später die Serie und ob jemand die Ware angesehen hat, bevor sie das Land verlässt.
Jeder dieser Schritte kostet wenig — und jeder von ihnen ist im Nachhinein nicht mehr nachzuholen. Eine Reklamation ist teuer und langwierig, sobald die Ware verzollt in Europa steht. Solange sie in China liegt, genügt ein Gespräch.
Wenn Sie einen Fertigungspartner suchen oder einen bereits gefundenen Anbieter prüfen lassen möchten: Nennen Sie uns Produkt, Zielmenge und Termin — wir recherchieren, prüfen die Lieferanten vor Ort und liefern Ihnen ein klares Bild, bevor Geld fließt.
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